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Wie viel leichter fällt es uns oft, unseren Zweifeln und Unsicherheiten zu vertrauen als der Erkenntnis, dass wir bereits vollkommen sind - genau so, wie wir sind. Die tantrische Yogaphilosophie erklärt dies mit den „MALAS“: wörtlich Schichten oder Schleier, die eine unbegrenzte Sicht auf uns selbst verhindern. Die uns den Eindruck vermitteln, wir wären nicht gut genug, ziemlich allein oder würden nichts schaffen.
Du kannst es dir vorstellen, als würdest du hinter einem schmutzigen Fenster stehen: Die Sonne scheint, aber der Schmutz verwehrt dir den Blick auf die Sonne. Also weißt du gar nichts von dem Sonnenschein dahinter.
Auch unser Gehirn arbeitet mit Filtern. Ein Beispiel ist das Retikuläre Aktivierungssystem (RAS). Dieser Filter entscheidet, welche Reize in unser Bewusstsein durchdringen. Würden wir alle auf uns einströmenden Reize aus dem Innen und Außen wahrnehmen, würde es unser System zum Absturz bringen. So gelangt nur ein Bruchteil aller Reize überhaupt in unser Bewusstsein. Doch genau diese Eindrücke vermitteln uns das Bild „unserer Welt“.
Da unser Nervensystem darauf ausgerichtet ist, Gefahren früh zu erkennen und Sicherheit zu fördern, lässt dieser RAS-Filter vor allem vertraute Reize durch, die unsere bekannte Wahrnehmung bestätigen. Wir sehen uns und die Welt also so, wie es sich vertraut und sicher anfühlt.
Die Zeit mit uns auf der Yogamatte schenkt uns Momente, einmal hinter diese Sch(m)utzschichten zu blicken. Der geschützte Raum mit uns selbst lässt uns z.B. erleben, dass wir Kräfte in den Beinen haben, die wir dort nicht vermutet haben. Oder dass wir einen Widerstand oder ein unangenehmes Gefühl einmal da sein lassen und es körperlich erspüren, statt es wegzuschieben oder zu zerdenken. So kann unser Nervensystem neue Erfahrungen von Sicherheit abspeichern, die den Filter erweitern können.
Schenke dir diese Zeit des Spürens deiner Selbst auf der Matte. Wenn du neugierig geworden bist, schreib mir jederzeit.
